Freitag,18.Juli
49,6 km - 962 hM

Die anstehenden 2 Etappen haben einen Erinnerungs-Aspekt: auf einem Wander-Urlaub 2000 war ich an einigen Orten bereits mit Meike, der ich natürlich entsprechend Fotos und Erinnerungen sende....Es ist eine ganze Weile her....25 Jahre: kann das sein???
Wenn ich versuche zu überblicken was seitdem in England, in Europa, ja: in unserem Leben geschehen ist, dann kann theoretisch eigentlich nichts mehr so sein wie damals....- Und doch stehe ich vor der wuchtigen Kathedrale von Exeter und erinnere mich, wie ich schon damals diese wuchtigen Burgtürme bestaunt habe. Der Eindruck von außen ist sehr robust, das liegt daran, dass der Umbau der Hochgotik die ursprünglichen normannischen Türme übernommen hat: völlig anders also als in Salisbury etwa.
Es erheben sich eher eine Vielzahl von Türmen als der eine überragende. Das Frontportal steht schön offen und frei zum großen Platz, ich parke Hannibal bei leichtem Regen und lasse wie immer nur ungern meine Taschen außen während ich die Kathedrale betrete....

Was für ein geniales Decken"geflecht"- man möchte nur nach oben schauen: zu diese. Zweck wurden auf Spuegel aufgestellt, sehr praktisch....aber das ist ja ganz im Sinne der Architektur: Verherrlichung der Größe Gottes......
Das zweite Merkmal ist die schiere Länge des doppelten Kirchraums, der durch einen prachtvollen Lettner geteilt ist. Ich setze mich und schaue mich um....
Exeter wäre sicher noch einen Bummel wert, aber mich drängt es innerlich schon ins Dartmoor, daher lasse ich es mit dem schönen Kathedral-Besuch bewenden und trete den (sehr bergigen) Weg nach Buckfast Abbey an.
Im Kirchen-Shop kann ich nicht wiederstehen und kaufe eine rot-goldene Medaille, die ich an meine "Satteltasche" hänge, wo seit letzten Jahr noch das Jakobs-Kreuz baumelt.
Ein schönes Mittelding aus kitschig, wertig und bedeutsam... (die kleinen Dinge....)
Ashburton

Die Strecke entlang der Hauptverkehrsachse nach Plymouth war mit dem Fahrrad keine besonders schöne Wahl: ich wollte unbedingt bei Buckfast ins Moor einfahren, sonst wäre eine andere Strecke sicher empfehlenswerter gewesen, aber egal:
Es gab aber auch einige sehr schöne Momente auf dem Weg, wie z.B. die schöne St.Andrews Church von Ashburton.
Ich bewunderte zunächst ihren robusten Turm und den schönen Kirchfried, bemerkte dann eine Feier im Nebenhaus und fand die Kirche völlig leer, und wie ich so in der stillen Kirche die Atmosphäre genoss, fiel mein Blick auf ein Clavinova, nicht im Strom, aber in Reichweite einer Steckdose.....
Auf einem der Fotos sieht man wie in der altehrwürdigen Architektur eine hübsche Spielecke für Familien mit Kindern eingerichtet wurde! I love that!
Buckfast Abbey

Eine noch aktive Benediktiner-Abtei: das ist in England etwas seltenes, und dass sie solch ein imposantes Gebäude und Areal besitzt ist nur der Initiative ausländischer Mönche Ende des 19.Jh.s zu verdanken: damals gab es hier nämlich nur noch wenig Überreste einer ehemals zisterziensischen Abtei. Diese fiel der Religionspolitik Heinrich Tudors im 16.Jh.zum Opfer.
Erst in den 30er Jahren des 20.Jh.wurde diese prächtige und wirklich stimmig englisch-normannische Abteikirche errichtet und wie neu sie ist, bemerkt man sofort im Inneren....
Ich komme am Nachmittag an und es ist ein echtes Anlommen; Eine große Plakette "Dartmoor National Reserve" und nach der Autobahn-Parallele dr letzten 30 Minuten beginnt hier endlich ein Idyll...
Ich radele durch den Abteigarten und staune wie weitläufig das Gelände ist: ich war 1997 mit Meike hier und habe eigentlich h nur noch Erinnerungen an die Kirche mit ihrem schöben gelben Stein, der jetzt in der Sonne leuchtet.
Für die Besichtigung habe ich Glück: ein Organist probt für ein Konzert (morgen) und für ein Stundegebet der Brüder wird die Kirche in 10 Minuten geschlossen: Zeit genug zum Genießen und Umhergehen...
Ich setze mich danach noch auf die Terasse des BesucherCafés und gönne mir ein Eis: es ist fantastisch ruhig und angenehm hier: nach der Anfahrt kann ich etwas in der Sonne dösen, werfe noch einige Blicke auf das Gotteshaus und mache mich schließlich auf den letzten Abschnitt ins Moor: endlich da! Was die Höhenmeter angeht, habe ich Respekt: es geht gleich mal 300m in die Höhe, Princetown liegt sogar auf etwa 500üM, was damit die höchstgelegene Ortschaft in England (nicht UK!) ist. Dartmoor ist ein Mittelgebirge und das werde ich auch gleich merken....

Der angesagte Regen ist ausgeblieben und ich radele mittlerweile unter heiterem Himmel, die Temperatur hat wieder angezogen was mir den Schweiß treibt bei dem Anstieg, der hoch nach Hexworthy führt: nicht etwa gut verteilt, sondern einfach krass steil- für Autos eben....da helfen die Cycling Network-Schilder nicht wirklich.....
Was dann aber doch gut tut, ist die Natur, die sich immer mehr in eine wilde Schönheit verwandelt: die schmalen Straßen werden flacher und ich bekomme einen weiteren Blick auf die Landschaft.
Fantastisch: nach der Abfahrt zum Venford Reservoir huscht erstmal ein Pony über die Straße, hinter den Büschen steht eine kleine Herde und grast. Beim anstehenden Aufstieg öffnet sich der unfassbar weite Blick auf die Moorlandschaft mit Hügeln und Tälern, über denen die Tors thronen, die in unterschiedlichsten Formationen, die wie von Riesen dahin geschmissen wirken.. Hier fährt auch kaum noch ein Auto: es ist still: ich lehne Hannibal an einen Baum und genieße die Ruhe und Weite um mich; angekommen.

































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