102 km
Valaste, 20.20h
Ich sitze hier an meinem Tagesziel und genieße erneut einen Sonnenuntergang, diesmal am Valaste Wasserfall.
Doch vom vorn...
Gestartet bin ich heute mit einem zeitigen Hotelfrühstück und habe in Ruhe über die anstehenden 2 Touren nachgedacht. Zuerst wollte ich ja in einer 155km,Etappe bis Narva Jöessu durchfegen, habe mich aus verschiedenen Gründen jetzt dagegen entschieden, stattdessen gibts zwei Hundert+ Etappen und ich gewinne Zeit zim Sightseeing. Dadurch werde ich nicht in Narva nächtigen,wS aber auch nicht schlimm ist.
Ich konnte nach dieser Entscheidung etwas entspannter packen und starten, zumal si h während des Frühstücks offenbar ein paar Wolken entleert hatten.
Etwa 3 Stunden bin ich dann unter Wolken gefahren und es wirkte etwas frischer als ich aus dem Lahemaa-Park fuhr. Nach Sagadi passiert man noch ein drittes Herrenhaus- Vihula- das sich ganz dem Spa und Wellness verschrieben hat, außerdem gibts hier das Vodka-Museum ...ein nicht geringer Teil des Reichtums der Häuser stammte sicher damals vom Schnaps-Brennen und verticken....

Ein bisschen wehmütig nehme ich Abschied von Lahemaa. In der Kürze habe ich wundervolle Eindrücke bekommen und Orte gesehen. Gedanklich bin ich weit fort geführt worden und das mag ich ja beim Reisen so: Alles wird mal beiseite geräumt um Neues aufzunehmen.
Der Abschied war dann am Meer gekommen wo ich die hübsche Kapelle von Vainupea besichtigte die nicht nur schön liegt, sondern auch ein angenehmes Interieur hat. Hier kümmern sich Leute....
Der folgende Abschnitt hatte dann wenig Seeblick, weshalb ich durch kleine Ortschaften fuhr und den Asphalt genoss: es rollte gut. Plötzlich ein paar kleinere Steigungen !! Da war ich bislang eher verwöhnt, aber heute sollten einige Steigungen auftauchen, selten lohnenswert, aber gut: man darf da garnicht meckern. Mein Endgegner hier scheint eher der Gegenwind zu sein....da hab ich heute ein paar Kämpfe auf freiem Feld und auf der Landstraße gehabt!
Das nächste wirkliche Highlight war dann die Tolsburg, eine Ordensburg der Deutschritter im 14.Jh . "Toolse Talinn" auf estnisch.
Die Burgruine liegt strategisch über einer Landzunge und ist so von zwei Seiten seeseits geschützt. Zim Kand hin hat sie hohe Mauerwerke besessen, von denen noch erhebliches steht!
Eigentlich fühlt sich der Ort etwas wie in Irland, es keine Absperungen, keine Einrittshäuschen: der Ort ist pur und so wirkt er auch stark!
Bei der Instandhaltung würde man der Ruine natürlich schon mehr wünschen- lange hält sie sicher nicht mehr stand.....
Ich durchquere den Burghof, gehe zum Tor-Turm und sehe mehrere Räume und Durchgänge. Die hohen Landtürme stehen noch beeindrucken zusammen, durch einen Seitenturm ist dr Blitz geschlagen: der Riss geht komplett bis zum Boden durch: ein bizarrer Anblick.

Die Burg wechselte im Livländischen Krieg die Besitzer: zuerst Russen, später waren hier die Schweden Burgherren.
Im 17.Jh.schließlich wurde sie im nordischen Krieg endgültig gesprengt.
Beachtlich fand ich, dass sie im Mittelalter die nördlichste Feste des Heiligen Röm Reich Dt.Nation war.
Eine Ruine bei dieser Kulisse sich selbst überlassen - das wäre in Deutschland wohl keine Option.....
Der Ort hat etwas Faszinierndes: hier steckt so viel Geschichte drin.....
Zement Und Asphalt


Hier hatte ich eigentlich einen seenahen Alternativ-Kurs getrackt, aber aus irgendeinem Grund wurde ich dann doch weich, als ich die Schilder fürchte Eurovelos sah, die nach Viru führten: das habe ich dann auch gebüßt, denn es folgte eine echte mentale Prüfung....
Eine schnurgerade Landstraße kilometerlang ohne, dass man ihr Ziel ausmachen könnte. Die Sonne war natürlich just wieder frei am scheinen und so flackerte sogar der Asphalt vor meinen Augen....es kam mir wie in einem schlechten Road-Movie vor: da musst du jetzt durch.....
Und ich bin durch: in Viru wo ich den Schatten des Kirchfrieds genoss und die Kirche besichtigte, habe ich dann noch meine Wasser-Vorräte aufgefüllt und bin "abgebogen", den ganz ähnlich gerade gings schränk aufwärts weiter....
Diesmal wenigstens mit schönen Feldern, Büschen und Weitblick, aber dieser merkwürdige Knick wirft schon die Frage auf, wer sich bei den EuroVelos da was oder überhaupt gedacht hat.....
Gegen den Wind

Den Rest der Tour , etwa 35km, musste ich zunehmend mit südöstl.Böen kämpfen, einzelne hübsche Spots nutze ich für Minipausen und zog sonst durch um ans Ziel zu kommen.
Abbau-Halden-Wind
Ich bin mir nicht sicher, aber das sieht am Horizont nach riesigen Abraum-Halden aus....der starke Winde verteilt ordentlich was immer da auch drauf liegt ...ich meine es zu riechen...Natürlich in meine Richtung bäh.

Auf den letzten km überwog der Hunger und die Neugier auf fen Wasserfall,da bin ich h knapp an einem weiteren schönen Herenhaus vorbei gefahren, das ich nur kurz ablichten.
Jetzt bin ich am Ziel und bewohne ein kleines Chalet, in das au h Gannibal hineinpasst.
Neben der obligatorischen Dusche (DAS HIGHLIGHT jeden Tages) , einem Abendessen im Café des Tourismus-Spots habe ich dann die Sachen gewechselt und bin die hunderte von Treppenstufen hinab gestiegen, diexam Wasserfall entlang gesetzt wurden: tatsächlich h ein beachtliches Fefälle: hier gibt es eine hohe Kante zum Meer und am Strand einen schmalen Baumbestand, dann Milliarden von abgespülten Steinen aller Provinienz (geologisch): schön zum Sammeln oder Stapeln....
Hier unten strömt der Valaste Wasserfall nachdem er sich h durchs Gestein gespült hat, direkt in die baltische See.
Sonnenuntergang am Meer

Ich genieße noch einmal die Nordküste bei Sonnenuntergang, denn morgen Abend bin ich weiter südöstlich und steure zunächst den PeipusSee an.
Also heute ein kleiner Abschied, schon wieder....
Man muss im Moment bleiben, bewusst erleben und das hab ich heute Abend hier erneut getan.
Das weite Meer macht immer auch die Gedanken weit: ich könnte das stundenlang machen und hier fällt mir einmal mehr auf wie gut solche "Me time" tut. Einfach nur dankbar für den Weg bis hierher.
Gute Nacht!



































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