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Etappe 4: Am Rande der EU

Sonntag, 19.Juli

10.03h

Heute musste es früh losgehen und leidr kündigen sich Regenwälder an, sodass der Tag einige Unwägbarkeiten hat, aber eins ist klar: ich fahre heute an die Außengrenze der EU zu Russland, nach Narva. 

Bisher liegen ein paar wirklich sehrcschöbe und absolut einsame km an der See hinter mir , da hab ich die Drohne steigen lassen. Noch halten die Wolken und die Sonne kommt ab und zu raus. Herrlich ust aber def Asphalt , da rollt es sich nochmal so gut!

Erste Station war dann Toila mit 3 bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten:

Der kleinecaber feine Fischer- Hafen mit Flussmündung, der Oru-Park (man sucht vergeblich rin dazu gehöriges Schloss) und der Deutsche Soldatenfriedhof vom 2.Wk, der wie gewohnt eine sehr stimmungsvolle würdige Atmosphäre hat. Über 10000 Soldaten haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Ich muss an La Cambe vor einem Jahr denken, auch am Meer, selber Krieg. Über ganz Europa liegen Deutsche beerdigt, weil Hass und Faschismus reiche Beute getragen haben. Die deutschen Soldaten liegen hier gemeinsam mit estnischen Soldaten.

Toila
Toila

Soldatenfriedhof TOILA


Der Weg nach Narva

Ostwärts
Ostwärts

Der Tag war lang und ich komme erst am darauffolgenden Nachmittag am Peipus-See dazu zu rekapitulueren, was sich in den vergangenen 24 Std.ereignet hat.-(...)

Der Weg nach Narva begann atmosphärisch mit Sinamäe, dem estnishen Äquivalent zu Eisenhüttenstadt in der DDR. Eine kommunistische Gründung mit rein industrieller Abbau-Bestimmung. Ökschiefer um Nukleares Potential auszubeuten. Aus dem Boden gestampft mit einem ganz eigenen sozialistischen Repräsentations-Stil: hier sollte die Elite arbeiten.

Ich werde gleich von Lost-Places, Industriekpmplexen und geschlossenen ,fast Palastartigen Häusernempfangen, dazwischen stumme Passanten und ein geöffneter Kiosk. Ich verständigen mich halb Englisch, halb Russisch-Hand/Fuß....Wasser, Obst und ein Teilchen sollen mein Frühstück sein. Ich werde es erst in Jöessu am Strand genießen.

Hier herrscht Symmetrie und abgeblätterter Pomp: so eine Art Kitsch-Klassizismus an den massiven Häusern, die so vollkommen aus dem Architektur-Stil der Region fallen.

Eine Stadt wie ein Ufo, eingeflogen und eigenartig.

Eine Flanierachse führt vom Zentrum an die Promenade ans Meer....

Da ich - übrigens über üble Schotterpfade- am Rand der Industrie und Abbauhalden in Dienstags eingefahren bin, ist der Kontrast geradezu grotesk. Eine Stadt mit wenigen Jahren Aufschwung und einem langen Niedergang wie es scheint.Jetzt ist es eine Touristen-Kuruosität im postsowjetischen Estland geworden...


Silamäe
Silamäe

Jöessu

Am nordöstlichsten Sand-Strand
Am nordöstlichsten Sand-Strand
Jöessu
Jöessu

Am Mittag erreiche ich Jöessu und bin damit am nordöstlichsten Punkt meiner Reise angekommen: Hier herrscht fast südliches Urlauber-Flair und man fährt an dutzenden Hotels, Spa und Wellness-Ressorts vorüber (teils mit 60er Jahre Ost- Nobel-Charme), die sich hinter dem wirklich bemerkenswert schönen Sandstrand aufgereiht haben....

Ich fahre eine Stichstraße zum Strand und genieße ein Sonnenbad am windigen und erstaunlich geräumigen Strand- 2.Frühstück und Pause bevor ich zum Grenzposten rolle. 

EU-Grenze

Der Blick nach Russland
Der Blick nach Russland

Nach dem nördlichsten Punkt meiner Reise in Lahemaa bin ich nun am nord-östlichsten Punkt angelangt (noch östlicher ist Narva). Hier mündet die Narva, die als Grenzfluss aus dem Peipussee kommt in das Baltische Meer: ich stelle mich an den Grenzpfosten und konzentriere mich für ein paar Minuten auf die Tatsache, dass hier das freie Europa endet, dass hier zugleich die Sorgen der Esten greifbar werden: wenn Putin die Nato testen will, ist hier oben ein HotSpot, ebenso südlich in Narva, wo ich später das Aufeinandertreffen der Sphären sehen kann.

Der Blick über den Fluss endet hier am Wald auf der gegenüber liegenden Seite. Der Kontrast ist extrem: hier der Badeort, dort nur Wald und Flussgebiet, sicher mit Militär, von dem man am Ufer ab und an Kontrollhäuschen und Hochstände sehen kann. Sehr dezent.

In Jöessu wird die Promenade ausgebaut, es wirkt optimistisch und weltoffen, auch wenn der Großteil der Urlauber estnisch und vor allem russisch spricht. 

Dennoch: Wer es als Strandurlauber nicht so heiß und voll haben will wie am Mittelmeer, der dürfte hier einen Traumstrand genießen. 

Ich mache mich flussaufwärts auf den ca.15 km langen Weg in Estlands zweitgrößte Stadt: Narva....

Der Radweg hier ist tiptop und d alle 5 km dzeht eine WerkzeugStation,i h gönne Hannibal etwas Luft vie allem der Hinterreifen hat ja Last zu tragen.

Auf der bindfadengraden Strecke liegen einige Denkmäler, so z.B. ein Gedenk Kreuz an eine historische Niederlage, die Zar Peter 1700 hier im Großen Nordischen Krieg erlitt. Ich gestehen, dass mir dieser Krieg bislang in seinen Dimensionen unbekannt war, aber mit der Perspektive die ich hier gewinne, nimmt das Interesse zu....

History-Bikepacking ist ja mein Begriff, es liegt soviel Spannendes am Weg...ein paar km weiter liegt der nächste Deutsche Soldatenfriedhof u d ruft mir in Erinnerung, dass die Wehrmacht hier 1944 ebenfalls eine große Schlacht gegen die Rote Armee verloren hat und sich dann nach Silamäe, Nähe des Soldatenfriedhos von Toila, zurückgezogen hat bevor sie endgültig Estland räumen musste.

Narva hat viele Konflikte gesehen....



Narva zeigt Flagge

Eu-Außengrenze an der Narva
Eu-Außengrenze an der Narva

Schach-Skulptur
Schach-Skulptur

Soweit der historische und architektonisch ansprechende Teil von Narva....

Neben der Viktoria-Bastion , den beiden Burgen und dem Naherholungsgebiet am Fluss sucht man in der Stadt vergebens nach City-Charme..Ich habe allerdings auch nicht viel Zeit mitgebracht um diesen zu suchen.Es ziehen Wolken auf und ich habe noch eine lange Tour vor mir, denn zunächst muss ich ein ganzes Stück zurück (hier gehts nicht Südwärts!) und dann noch nach Süden.....

Und hier nahm dann das Schicksal seinen Lauf......(der Grund für den Verzug....)

Grenzerfahrungen

Zu dem folgenden Abschnitt habe ich keine Fotos und kein Video.

Ich bin in Narva gestartet und musste zunächst bis nach Sinamäe zurückradeln, was ich diesmal über die Schnellstraße gemacht habe (nicht schön, rollt aber flüssig auf Asphalt).

Als ich dort eintraf hatten sich bereits über 100 km auf meinem Garmin gesammelt und es türmten sich dunkle Wolken auf. 

Ich habe meine Touren auf komoot sorgfältig zusammen gestellt und sah, dass noch etwa 30 km vor zu liegen schienen ohne nennenswerte Spots.

Was dann folgte fühlte sich wie ein Verlassen der Zivilisation in 5 Stufen an: es startete mit Ssphalt und Radweg, dann ging es in Landstraße über, diese endete in Schotter und leitete zu einem Geisterort über wo etwa 4 bewohnte Häuser zwischen Dutzenden LosPlaces standen, die Straßen-Qualität wechselte zu Sand/Schotter und mündete schließlich im Waldweg.Hier zeigte mir komoot jetzt einen Weg, der keiner war: Sand und Matsch von Grad überwachen. Irgendwann musste mal ein Auto hier durchgepglügt sein, aber....

Ok, ein paar Meter kann man ja...

In diesem Moment fing der Regen an und sollte für die nächsten 2 Stunden nicht mehr aufhören!

Ich versuchte mi h etwa 300m durch den Dreck zu kämpfen, in der Hoffnung es würde doch noch ein Weg werden, stattdessen blieb ich in immer tiefer werdenden Wasser/Schlammlöchern stecken und realisierte, dass ich nahe dem Sumpf agierte. Das wurde noch dadurch untermauert, dass ich schwarmartig von Bremsen/Mücken attackiert wurde, die durch meine Radhose stechen konnten. In zunehmender Panik sprühte ich mit Mückenspray um mich, drehte um und lief in strömenden Regen, Hannibal dur h den Matsch schieben wieder zurück .

Wolang nun? 

Regensachen an um die Mücken abzuwehren und den Regen, dann ..kein Netz und mein Garmin beharrt auf dem "Weg". Ich finde einen Weg an der entlangführenden Eisenbahm-Trasse, hie wirds steinig: eine Tortur für Hannibal mit Gepäck  riesige Pfützen und immer noch umschwirren mich Tausende dieser Bremsen. Wo der Weg hinführt, kann mir mein Handy nicht zeigen: Akku leer (mist, vergessen aufzuladen bei dem langen Tag). 

Ich folge dem immer schlechter werden Weg bis nach etwa 30 min. ein Schotterweg abzweigt, der Besserung verheißt. Ich stehe mitten im Naturpark Kurtna und suche einen Weg hinaus.

Der Tiefpunkt ist erreicht, als ich einem Weg folge, der nur noch von groben  Steinen gelegt ist, und stürze. Die Lenkung ist kaum möglich, ich unterschätze die Situation auch wegen des fortwährend Regens, der mich mittlerweile beginnt zu durchnässen. Mein Garmin beginnt ein Notfall-Signal abzusetzen, das ich aber nochmal  unterdrücke : jetzt nicht aufgeben. Die Hose ist aufgerissen und ein paar Schrammen. Das linke Knie schmerzt.

Ich stelle fest, dass dieser Weg auch im Sumpf endet, also eine Sackgasse ist.

Laut fluchend (sorry) kehre ich erneut um und stürze ein zweites Mal....

Ich nehme also einen besser beschotterten Weg und nach 20 min erreiche ich Schilder, Asphalt, einen Ort: viel zu weit im Norden, aber gerettet.

Fast scheint es mir zynisch, dass genau hier der Regen aufhört, der mir die ganze Situation nochmal unangenehmer gemacht hat. Egal: jetzt wieder mit Netz gebe ich meiner Unterkunft bescheid dass ich verspätet bin und checke im Navi meine Optionen: ab jetzt Straße .....

Noch 30 km, ich schlucke, das jetzt also auch noch, nass, erschöpft und mit dem Knie. Habnibal knirscht vor Dreck und  Schlamm, aber wir begeben uns auf den letzten Abschnitt.

Ich setze mir die Kopfhörer ein und höre für den Rest einfach meine Playlist. Als ich in Kuremäe ankomme bin ich 162 km gefahren, völlig verdreckt und es ist 21.40h . Zu meinem Glück wartet eine nette Dame, schließt mit mir Hannibal in  einen Schuppen und öffnet mir mein Zimmer: ein Paradies mit Dusche......

Ich habs geschafft.....


Kurtna-Seengebiet bei gutem Wetter
Kurtna-Seengebiet bei gutem Wetter

Wie gesagt, ich habe keine Fotos beizusteuern zu diesem Teil der Etappe....

Info aus dem Reiseführer.....
Info aus dem Reiseführer.....

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Kommentare: 2
  • #1

    Rainer (Dienstag, 21 Juli 2026 16:50)

    Meine Güte Markus! Dein spannender Bericht bringt mich ins Schwitzen! Ich wünsche dir nur noch schöne Tage und gute Fahrt!!

  • #2

    Markus (Dienstag, 21 Juli 2026 19:06)

    Danke für die Grüße Rainer �
    Bikepacking Abenteuer sind doch was Grandioses! Ich lerne und erlebe hier so viel .... Es bleibt spannend!